Unternehmenswerte und Kaufpreise in Zeiten der Digitalisierung gezielt steigern

Sehr geehrte Leser,

wenn Sie sich heute mit dem Thema Unternehmenswert beschäftigen, aus welchem Anlass auch immer, finden Sie im Netz eine Vielzahl von Vorschlägen.

 

Die Bewertungsfaktoren:

Sie können die Unternehmensbewertung rein finanzmathematisch angehen. Dabei werden Sie in erster Linie auf das Ertragswertverfahren oder in leicht abgewandelter Form auf das DCF-Verfahren stoßen. Hierbei wird die zukünftige Unternehmensentwicklung auf den aktuellen Tag der Bewertung abgezinst. Ist das praktikabel? Möglicherweise ja, zumeist eher nein. Das Verfahren hat verschiedene Variablen, die vor allem durch ein – sagen wir mal – nicht marktübliches Zinsgefüge beeinflusst werden. Aber als Indikator ist diese Verfahren sicherlich verwertbar.

Eine nicht seltene Möglichkeit ist das Substanzwertverfahren, welches zwar nicht gerne in Verhandlungen eingestreut wird, aber gerade aus Käufersicht nicht zu unterschätzen ist. Bei ertragsschwachen Unternehmen kann die Substanz (materiell wie immateriell) ein schlagkräftiges Argument sein, um Unternehmenswerte nicht zu sehr nach unten abwandern zu lassen.

Das EBIT-Verfahren: Auch wenn dieses Verfahren seine Schwächen hat, ist es am Markt am gebräuchlichsten. Sie versehen Ihren EBIT mit einem branchenüblichen Multiplikator und errechnen somit Ihren Unternehmenswert. Apropos – wir helfen Ihnen natürlich gerne dabei, ein kleiner Hinweis muss hier schon sein, schreiben Sie mir einfach an h.fischer@fischer-ccf.de

 

Unternehmenswert versus Kaufpreis

Interessanterweise wird sehr viel über Unternehmenswerte gesprochen, aber recht selten über die Kaufpreise. Ein Käufer sagte mir letztens: Herr Fischer, es ist doch völlig egal auf welches Verfahren wir uns einigen oder welchen Multiplikator wir mit dem EBIT versehen. Am Ende vom Tag will doch jeder wissen, welche Kaufpreissumme beim Verkäufer ankommt.

Recht hat er und damit sind wir bei der nächsten Herausforderung. Zumeist wird bei der Unternehmensbewertung ein Debt/Cash-Free Verfahren gewählt. Dies bedeutet nichts anderes, als dass zinstragende Verbindlichkeiten abgezogen werden und Cash-Positionen hinzugerechnet werden. Daraus ergibt sich dann der Kaufpreis.

Was aber, wenn diese Positionen nicht so einfach definierbar sind, wie wir jetzt die Berechnung vornehmen wollen? Nehmen wir eine Position, die jedem Wirtschaftsprüfer in der Due Diligence und damit Käufer und Verkäufer Stirnfalten ins Gesicht zaubert: Pensionsrückstellungen

Ja, das sind Verbindlichkeiten und ja, die werden abgezogen. Jetzt gilt es nur noch die richtige Höhe zu finden – so wie bilanziert, laut (eventuell noch zu erstellendem) Gutachten? Wurden nicht nur Rückstellungen gebildet sondern  erfolgte auch ein Funding? Wurde die Sterbetabelle aktualisiert? Wussten Sie, dass wir alle unglaublich alt werden nach aktueller Sterbetabelle der Versicherungen (zumeist deutlich über 100 Jahre)?

Ich könnte die Fragen jetzt weiterspinnen, aber Sie merken – wie finden wir hier den richtigen Kaufpreis?

Was ich zum Ausdruck bringen will ist: Eine Unternehmensbewertung und die damit logischerweise verbundene Kaufpreisberechnung hat erhebliche Schwächen und öffnet die Tür für viele schweisstreibende Verhandlungsstunden.

Das lässt sich kaum vermeiden, aber umso mehr ist der Verkäufer gefordert, eine solide Argumentation auch abseits der Zahlenwelt aufzubauen.

 

Historisch betrachtet – zukünftig gedacht

Bleiben wir beim allseits beliebten EBIT-Verfahren. Ein Erwerber wird die EBIT in der Regel der vergangenen 3 Jahre bewerten und möglicherweise auch gewichten und somit den Unternehmenswert herleiten. Ziel ist es, dass dieser Unternehmenswert aus „historischen“ Werten auch in der Zukunft erreichbar ist. Sind wir ehrlich: Jeder Erwerber möchte den Return on Invest schneller als der diskutierte Multiplefaktor erreichen. Damit ist der Verkäufer in der Pflicht, eine 3-Jahres-Planung aufzubauen, die zuverlässig und belastbar ist. Traumzahlen, die in der Vergangenheit nie erreicht waren, sehen zwar grafisch gut aus, werden aber in Verhandlungen nur müde belächelt und letztendlich in Abzug gebracht.

Also: Solide in die Zukunft planen und erwarten Sie, dass bei einer EBIT-Multiplikatoren-Bewertung auch die Zukunft entsprechend einfliesst.

Reden wir über die Zukunft: Es ist nichts Neues, über den digitalen Wandel zu sprechen. Die Herausforderungen und

damit vor allem natürlich Investitionen zu erwähnen, die auf alle Unternehmer zukommen. Funktioniert Ihr Geschäftsmodell in der Zukunft noch? Woher kommen die Wettbewerber (Entschuldigung: Marktbegleiter), womit können Sie besser, anders, schneller, profitabler werden?

 

Der Digitale Wandel als Chance in der Unternehmensbewertung

Jeder wird zugeben, dass der digitale Wandel gewaltige Veränderungen erbringen wird und dass darin Chancen und Risiken liegen. So weit, so einfach. Will man aber tiefer in dieses Thema einsteigen, werden Sie oft Diskussionen mit viel wenn und könnte und hätte erleben. Kurzum, es ist noch viel Unsicherheit im Markt und auch wenn viele von einer Digitalen Strategie sprechen: Ob diese erfolgreich sein wird oder wieder im Nichts versinkt, dass wird sich zeigen. Selten lagen im unternehmerischen Handeln Risiken und Chancen so nah beieinander.

Wenn Sie jetzt aber gerade darüber nachdenken, Ihr Unternehmen zu veräußern und möglicherweise hier einen interessanten Kaufpreis erzielen wollen – davon gehe ich jetzt aus – können Sie genau diesen Umsatz der Unbekannten nutzen. Aber und dies ist zwingend: Sie müssen Ihr Unternehmen fit machen für die Zukunft und vorbereiten auf den Wandel. Was heisst das?

  • Ein Unternehmen zu veräußern hat auch viel mit Marketing und Verkauf zu tun. Wenn Ihre Webseite gerade kürzlich vor 5 Jahren aktualisiert wurde und der letzte Newsfeed von 2015 ist…. dann sollten erst den Webdesigner Ihres Vertrauens kontaktieren (Oder zukunftsfähiger: Ihre Digitalagentur)
  • Welche Projekte haben Sie im Bereich Digitalisierung gestartet? Gibt es Projektteams? Gibt es konkrete Projekte, die mit vertretbaren Investitionen die Profitabilität steigern können?
  • Beschäftigen Sie sich mit neuen oder veränderten Geschäftsmodellen Ihrer Branche? Welche Chancen bietet das Internet für Sie, wie können Sie sich vernetzen?

 

Ich möchte hier jetzt keine Checkliste für Innovationsfähigkeit aufbauen (auch hier können Sie gerne mit unserem Innovationsteam sprechen, ich leite Ihre Anfrage gerne weiter: h.fischer@fischer-ccf.de.

Aber:

Innovationsfähigkeit, Bereitschaft zur Digitalisierung, erste oder auch schon umgesetzte Projekte in diesem Segment: All dies steigert Ihren Unternehmenswert bzw. lässt Sie sehr ruhig in unangenehme Verhandlungsdiskussionen einsteigen und als Sieger hervorgehen. Die Zukunftsfähigkeit und das Schlagwort „Digitaler Wandel“ wird somit von der reinen Floskel von visionären Strategien, sondern zum echten Mehrwert. Zum gesteigerten Unternehmenswert.

 

Der Käufernutzen bestimmt den Unternehmenswert

Es gilt immer noch der Spruch, ein Unternehmen ist nur so viel Wert wie der Käufer bereit ist dafür zu bezahlen. Sic! Unternehmenswert und folglich daraus Kaufpreise sind durch Synergieeffekte steigerbar. Nicht alle Synergien lassen sich in einer späteren Intergration – so sie denn stattfindet – heben, aber das ein oder andere wird doch zum Mehrwert des Erwerbers. Letzterer wird aber nicht unerwähnt lassen, dass genau diese Mehrwerte und Potentiale nicht eingepreist werden – da Aufwand und Risiko auf Seiten des Erwerbers liegen. Dies kann man bedingt so stehen lassen. Was ist aber, wenn Sie gezielt einen Mehrwert bringen – aus Digitalisierungsprojekten, aus Partnerschaften, aus laufenden Entwicklungs- und Innovationsprojekten? Damit können Sie den Käufernutzen erhöhen und bringen Ihrerseits Potentiale ein, die sich der Erwerber nicht mühselig erarbeiten muss?

Der Schwerpunkt zukünftiger Unternehmensbewertungen bemisst sich somit nicht nur an den reinen Ertragswerten, sondern er wird sich verschieben auf die Zukunftsfähigkeit, die Innovationskraft, die Bereitschaft zum Wandel und Bedingungsloser Offenheit für Digitalisierung.

Damit begeistern Sie den potentiellen Erwerber Ihres Unternehmens. Und Begeisterung schafft Werte.

Oder Sie stellen fest, dass Ihre Innovationen Ihnen einen derart großen Vorsprung und Profitabilitätssteigerung bringen, dass Sie beschließen, Ihr Unternehmen zunächst selbst weiter zu entwickeln.

Herausforderungen annehmen – Verbindungen schaffen.

Bei Rückfragen – einfach fragen.

 

Ihr Harald Fischer
h.fischer@fischer-ccf.de